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13.05.2005

Dr. Henning Scherf: "Wir müssen Verantwortung für uns übernehmen!"

Bremens Bürgermeister über individuelles Gesundheitsbewusstsein und gesellschaftspolitische Visionen

Dr. Henning Scherf

Wasser, schlicht und einfach heißes Wasser – so lautet sein Wohlfühl-Rezept. Drei bis vier Liter des lebenswichtigen Elixiers trinkt Bremens Bürgermeister täglich. Dazu treibt er Sport seit frühester Jugend. Anfänglich als Handballer und Schwimmer, heute fährt er leidenschaftlich Rad, gelegentlich auch Radrennen, und hält sich durch Langlauf fit. „Wie keine andere Sportart hat das Laufen mir geholfen, meinen Körper neu zu entdecken, seine Bedürfnisse wahrzunehmen und zu respektieren“, sagt Marathonmann Dr. Henning Scherf im Interview mit der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und dem Berufsverband der Deutschen Urologen.

Nicht alle Männer haben so ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstein. Noch immer ist ihre Lebenserwartung sieben Jahre geringer als die der Frauen. Nur jeder Fünfte nutzt das Angebot von Krebsvorsorgeuntersuchungen. „Das liegt sicher an anerzogenen stereotypen Rollenbildern vom starken Mann, der nicht jammern oder krank sein darf.“ Darüber hinaus gingen Frauen aufgrund ihrer Erfahrungen durch Schwangerschaft und Geburt schon von sich aus viel verantwortungsvoller mit ihrem Körper um, so der Politiker, der im persönlichen Gespräch genauso menschlich und unkompliziert ist, wie sein Ruf es erwarten lässt.

Tabuthemen gibt es nicht. Selbstverständlich nimmt er die Prostatakrebs-Vorsorge wahr. „Ich gehe ein Mal im Jahr zur Kontrolle. Das ist das Mindeste, was ich für mich tun kann.“ Auch als Landesvater unterstützt er präventive Gesundheitsmaßnahmen. Seit Mitte April ist das Mammographie-Screening für alle Bremer Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr reguläre Kassenleistung. Damit gehört Bremen bundesweit zu den ersten Regionen, in denen die neue Kassenleistung eingeführt wird.

Den Schlüssel für ein effektives Gesundheitssystem sieht der 66-Jährige in einer Großkorrektur in den Köpfen der Menschen. „Wir dürfen nicht länger nur Krankheiten finanzieren, sondern sollten viel stärker präventiv arbeiten. Wir Menschen müssen kompetent und aufgeklärt sein, damit wir Verantwortung für uns selbst übernehmen können“. Dies gelte für Krebsvorsorgeuntersuchungen genauso wie beispielsweise für Übergewicht oder Alkoholismus, so der Staatsmann, der mit dem Fahrrad ins Rathaus fährt, auf Dienstwagen und Bodyguards verzichtet und statt seines Prestiges lieber gesellschaftspolitische Visionen hegt. Von einer Gesellschaft, in der man nicht Angst vor dem Alter, vor Krankheit und dem Sterben hat, sondern das Älterwerden als ein großes Glück und als einen ganz eigenständigen Lebensabschnitt nach dem Arbeitsleben mit neuen Chancen, Zielen und Erfahrungen empfindet.

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